Biogas - Fakten statt Vorurteile

Die Gewinnung von Strom, Wärme und Treibstoff aus Biomasse wirft - wie jede andere innovative technische Entwicklung auch kritische Überlegungen auf.

Mit den folgenden Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen möchten wir Ihnen Gelegenheit geben, Biogas-Vorurteile von Fakten zu unterscheiden und sich selbst ein Bild über Probleme und Risiken, vor allem aber über die Vorteile des Energieträgers Biogas zu machen. Wir orientieren uns dabei an einer Stellungnahme des Fachverbandes Biogas e.V., dem ÖKOBIT als aktives Mitglied angehört. Sollten Sie hier keine hinreichende Antwort auf eine Ihrer brennenden Frage finden, klären wir diese gern im Rahmen eines persönlichen Gesprächs.

Stimmt es, dass Pachtpreise durch Biogasanlagen in die Höhe getrieben werden?

Betreiber einer Biogasanlage können keine hohen Pachtpreise zahlen, da sie in Jahren, in denen der Marktpreis für Biomasse relativ niedrig steht, Rücklagen bilden müssen. Dennoch kann in Regionen mit knappem Flächenangebot der Preis pro Hektar unangemessen steigen. Hierfür ist der Ausbau von Biogasanlagen jedoch nicht allein verantwortlich; auch die steigenden Preise für Agrarprodukte, insbesondere Marktfrüchte, und flächenabhängige Prämienzahlungen aus EU-Mitteln wirken sich auf die Pachtpreise aus. ÖKOBIT empfiehlt, Biogasanlagen standortangepasst zu planen und zu bauen. Die Größe der Anlage sollte sich dabei an regional vorhandenen Substratmenge orientieren; wenn zusätzliche Energiepflanzen benötigt werden, ist ein Substratzukauf der Flächenpacht vorzuziehen. Grundsätzlich bringt der Bau von Gemeinschaftsanlagen Synergieeffekte mit sich.

Stimmt es, dass Biogasanlagen in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen und die Nahrungsmittelpreise in die Höhe treiben? ("Tank-statt-Teller-Debatte")

Selbst bei einer Verdoppelung der aktuellen Anbaufläche für Energiepflanzen kann der Nahrungsmittelbedarf in Deutschland weiterhin gedeckt werden. Richtig ist, dass eine Umnutzung von Flächen für den Energiepflanzenanbau die konventionelle Landwirtschaft zugunsten einer sinnvollen Flächennutzung von Überschüssen entlastet und damit das Marktgeschehen positiv beeinflusst. Durch einen Einstieg in die Biogaserzeugung können Landwirte sich ein zweites Standbein schaffen und damit ökonomisch besser absichern. Arbeitsplätze und Wertschöpfung bleiben im ländlichen Raum erhalten, Biogas und Lebensmittelerzeugung ergänzen einander.

Der Preis für Getreide und Braugerste wird vom Weltmarkt bestimmt – und nicht vom Energiepflanzenanbau für Biogasanlagen in Deutschland, der weniger als vier Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmacht. Über mehrere Jahrzehnte betrachtet, sind die Preise für Lebensmittel seit Anfang der Siebzigerjahre sogar gefallen, wie eine Untersuchung des Welternährungsfonds aus dem Jahr 2009 ergeben hat. Sie liegen heute auf dem Niveau von Mitte der Achtziger beziehungsweise Mitte der Neunzigerjahre. Die Biogasnutzung in Deutschland hat mit der Entwicklung der Lebensmittelpreise nichts zu tun.

Hungerkatastrophen in der Welt sind auf eine jahrzehntelang verfehlte weltweite Agrarpolitik, schlechte Erntejahre und Spekulationen zurückzuführen, nicht jedoch auf den Anbau von Energiepflanzen für die Nutzung in Biogasanlagen. Der Hunger in der Welt ist ein politisch erzeugtes Verteilungsproblem.

Stimmt es, dass durch Biogasanlagen eine „Vermaisung“ der Flächen stattfindet?

2010 wurden auf circa 650.000 Hektar Fläche Energiepflanzen für die Energiegewinnung aus Biogasanlagen angebaut, davon auf 530.000 Hektar Mais, das heißt, weniger als vier Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die Zuwachsrate ist im Vergleich mit den späten 80er Jahren geringfügig.

Mais ist aufgrund seiner hohen Massebildungsfähigkeit bei relativ geringem Wasserbedarf und einer guten Gasausbeute die derzeit beliebteste Energiepflanze für den Einsatz in Biogasanlagen. Dabei wird grundsätzlich die gesamte Pflanze genutzt. Der Anbau bietet ökologische Vorteile: So hält sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Unkrautvertilgern in Grenzen und kann beim Biomasseanbau noch weiter reduziert werden, da auch Beikräuter in der Biogasanlage vergoren werden können.

Gemeinsam mit Jägern, Imkern und Naturschutzverbänden arbeitet die Biogasbranche ständig an der Optimierung des Landschaftsbildes und sucht nach standortgerechten Alternativen, die ebenso gute Gaserträge liefern. In Frage kommen Zuckerrüben, Hirse, Topinambur, Durchwachsene Silphie, Malven, Wildpflanzen oder Rumex (eine Kreuzung verschiedener Ampferarten).

Stimmt es, dass Biogasanlagen stinken und Gärprodukte Probleme bereiten?

Tatsächlich verringert sich die Geruchsintensität von Gülle bei der Ausbringung erheblich, wenn diese den Vergärungsprozess im Fermenter durchlaufen hat. Gleichzeitig erhöht sich im Gärprodukt der Anteil der für Pflanzen verfügbaren Nährstoffe. Geruchsemissionen aus Biogasanlagen können nur dann auftreten, wenn die Biomasse vor oder nach dem Prozess nicht sachgerecht gelagert wird oder schlecht vergorenes Material auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht wird.

Bei einer ordnungsgemäßen Ausbringung von Gärprodukten nehmen auch Regenwürmer keinen Schaden. Langfristig haben Gärprodukte sogar eine positive Wirkung auf das Aufkommen von Regenwürmern im Vergleich zu ungedüngten oder mineralisch gedüngten Flächen.

Eine präzise Anlagenplanung und kontrollierte Betriebsführung sowie die richtige Lagerung der Biomasse und des Gärrests erhalten eine immer höhere Priorität. Insbesondere die Frage der sachgerechten Lagerung berührt auch den Gewässerschutz. Hier führen regelmäßige Informationsveranstaltungen des Fachverbandes zu einer stetigen Verbesserung.

Vermutungen, nach denen Biogasanlagen die Botulismuserreger (Clostridien) vermehren, wurden widerlegt. Im Verlauf einer stabilen Vergärung von Rindergülle in Biogasanlagen wurde die Menge der vorhandenen Clostridien sogar reduziert.

Stimmt es, dass Biogasanlagen mehr Energie verbrauchen als sie bereitstellen?

Sowohl die Energiebilanz als auch die Treibhausgasbilanz von Biogasanlagen ist positiv.

Ein Hektar Energiepflanzen ersetzt vier bis sechs Mal so viel fossile Energie wie beim Anbau und der Gaserzeugung verbraucht wird. Werden Abfall- und Reststoffe eingesetzt, verbessert sich die Bilanz noch weiter.

Im Vergleich zur Nutzung fossiler Energieträger, fällt die Treibhausgasemission bei der Vergärung von Biomasse um bis zu 50 Prozent geringer aus. Durch die Nutzung von Nährstoffkreisläufen in der Biogasproduktion entstehen große Einsparpotenziale bei der Mineraldüngerherstellung.

Stimmt es, dass die Wildschweinbestände wegen der Biogasproduktion explodieren?

Die Wildschweinbestände haben in Deutschland bereits vor Expansion der Biogasbranche stark zugenommen. Es ist kein Zusammenhang zwischen einem umfangreicheren Maisanbau und dem vermehrten Auftreten von Wildschweinen feststellbar, es sei denn ein negativer: Oft sind mehr Wildscheine dort anzutreffen, wo nicht so viel Mais angebaut wird.

Die Ursachen für die Schwarzwildvermehrung sind vielschichtig. Ein starkes Wachstum von Eichen und Buchen und milde Winter sind gute Mastbedingungen für Wildschweine - vor allem, wenn gleichzeitig zu viel gefüttert wird und zu wenige Bachen erlegt werden.

Stimmt es, dass Strom aus erneuerbaren Energiequellen die Strompreise verteuern?

Der monatliche Strompreis in Deutschland steigt seit Jahren kontinuierlich. Die erneuerbaren Energien habe daran einen Anteil von schätzungsweise einem Sechstel. Erneuerbare Energien (EE) werden nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) den Strompreis eher stabil halten:

Nach wie vor unberücksichtigt bleiben bei den Berechnungen noch die versteckten Kosten der fossilen Energieträger: Klima- und Gesundheitsschäden, Rückbau und Entsorgung (2010 rund acht Milliarden Euro). - Die aktuellen Mehrkosten für erneuerbare Energien sind daher Investitionen in eine nachhaltige, erschwingliche und klimafreundliche Energieversorgung der Zukunft.

Hinzu kommen etwa 2,2 Mrd. Euro Importkosten. Bei den Erneuerbaren erfolgt die Wertschöpfung im eigenen Land: 2010 waren dies 9,2 Mrd. Euro, von denen vor allem die Städte und Gemeinden profitieren.

Stimmt es, dass der Betrieb einer Biogasanlage zum vermehrten Verkehrsaufkommen beiträgt?

An manchen Standorten nimmt der Verkehr aufgrund des Betriebs einer Biogasanlage tatsächlich zu. Um Konflikte mit der Nachbarschaft zu vermeiden, ruft der Fachverband Biogas seine Mitglieder nachdrücklich zur Rücksichtnahme auf: möglichst keine Fahrten nachts und am Wochenende, gemäßigtes Tempo vor allem in der Nähe von Schulen und Kindergärten, etc. Das Biogas Forum Bayern hat in seinem „Fahrerknigge – Verhaltensweisen und Benimmregeln bei Biomassetransporten“ diese Ratschläge auf zwei Seiten zusammengefasst.

(www.biogas-forum-bayern.de/publikationen). 

 

 

Quelle: Fachverband Biogas e.V.: "Fakten statt Vorurteile" (Feb. 2011)